Das abgeschiedene Land im Herzen Südamerikas ist ein geheimer Schatz. Kostbare Zeugnisse vorspanischer Kulturen und die im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubende Berglandschaft faszinieren nicht nur sportbegeisterte Besucher.

Einst vereinte Bolivien alle geografischen Zonen Südamerikas – bis Chile während des Pazifikkriegs (1879-1883) seinen Zugang zum Meer eroberte. Im Nordwesten des Landes erstreckt sich die karge Hochebene des Altiplano, dessen östliche Begrenzung, die Cordillera Real, zu den subtropischen Tälern der Yungas abfällt. In diesen liegt die unüberschaubar wachsende Millionenstadt Santa Cruz, während andere bedeutende Großstädte wie Cochabamba, die Regierungsstadt La Paz oder die Hauptstadt Sucre erstaunlicher Weise im Hochland gegründet wurden. Das Tiefland des Oriente grenzt an das peruanische und brasilianische Amazonasgebiet. Schmale Straßen, die sich am Rande steiler Abgründe entlang schlängeln, verbinden die so gegensätzlichen Regionen.
Nicht nur in landschaftlicher, auch in wirtschaftlicher Hinsicht ist Bolivien ein Land der Kontraste: Eine tiefe Kluft zwischen Arm und Reich spaltet die gut 10 Mio. Einwohner starke Bevölkerung. Die Armut ist offensichtlich – ein Blick genügt, ein Blick hinter die Fassade des Lächelns der Händler und der farbenfroh gekleideten campesinos (Bauern). Auf dem Land sieht man viele Familien schon am frühen Morgen mühsam ihre Felder bestellen. Weit weniger sticht der Reichtum ins Auge – in den vornehmen Cafés von La Paz ist er allenfalls zu ahnen. Ein Großteil des Wohlstands, wie etwa die Gewinne aus Silber- und Zinnminen, konzentrierte sich stets in den Händen einiger weniger und floss nach Europa. In mehreren Kriegen verlor Bolivien Territorium, das an Bodenschätzen reich war. Bolivien ist das ärmste Land Südamerikas, rund 60% leben unter der Armutsgrenze, wie auch 60% der Bevölkerung indigenen, häufig benachteiligten Bevölkerungsgruppen zuzurechnen sind. An dieser Situation konnte auch der neue Staatspräsident Evo Morales, der als Aymara der Hoffnungsschimmer für viele Ureinwohner ist und es geschafft hat, in dem politisch instabilen Land für etwas mehr Ruhe und Ordnung zu sorgen, nur wenig ändern. Trotzdem ist ein gewisser Reichtum vorhanden. Erwirtschaften auf den Kokafeldern des Orients wird er in den Metropolen der Welt zu klingender Münze…
(vgl. auch “Südamerika”, Apa Guide, Plyglott)